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Die Jahreslosung für das Jahr 1989, war der Vers 27 des Kapitels 17 der Apostelgeschichte: „Keinen von uns ist Gott fern“. Der am 4. November verstorbene Pfarrer Fritz Westphal war damals Mitglied des Redaktionsteams des Messager évangélique, der Wochenzeitung und Vorgängerin des Nouveau Messager. Hier legt er seine Meditation vor.

Wenn wir uns gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschen, was meinen wir mit „gut“? Gesundheit, Arbeit und Verdienst, gegenseitige Liebe und Verständnis in der Familie, unter Kollegen und Kolleginnen. Gewiss, alles wichtige Dinge! Genügt es, um aus dem Jahr 1989 ein „gutes Jahr“ zu machen? Gut wird es erst, wenn darin auch Gott vorkommt: „Keinem von uns ist Gott fern.“ Nie, weder in leidvollen Tagen, wo wir uns an ihn klammern - und er scheint sich zu entziehen, noch in fröhlichen und unbekümmerten Tagen - in denen wir ihn so leicht vergessen. „Gott ist weit weg“, denken und empfinden viele Menschen heute. Sie haben bittere Erfahrungen gemacht. Sie wurden von lieben Menschen enttäuscht und wollten bei Gott neues Selbstvertrauen schöpfen. Aber sie haben nur den erhabenen, allmächtigen, im Himmel thronenden fernen Gott gefunden. Sie waren krank und flehten um Genesung, aber die Schmerzen blieben. Sie waren einsam und verlassen und suchten das Gespräch mit Gott, aber Gott blieb stumm. Sie haben aufgehört, den Weg zu Gott zu gehen.

Gott ist uns nahe

Aber Gott hört nie auf, den Weg zu den Menschen zu gehen. Er ist den weiten Weg gegangen, über Armut, Krippe und Kreuz, damit auch im Jahr 1989 einer dem andern weitersagen kann: „Keinem von uns ist Gott fern.“ Keinem - auch denen nicht, die von seiner Nähe nichts spüren. Ob Gott nahe ist, hängt nicht von meinem Empfinden ab, sondern nur von seiner unumstößlichen Treue zu seinem Versprechen: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Keinem - auch denen nicht, die gar nicht, oder nicht mehr nach ihm fragen. Die sich, aus welchen Gründen auch immer, so weit abgelöst haben, dass sie, stolz oder resigniert, wie der Dichter Hermann Hesse sagen: „Leben heißt: einsam sein. Keiner kennt den andern, jeder ist allein.“ Keinem - auch denen nicht, die ihn nur suchen, wenn sie meinen, sie könnten ihn jetzt gerade brauchen, und aus ihm den Lückenbüßer ihrer eigenen Schwächen und Versagen machen. Denn Gott teilt alles mit uns, unser ganzes Schicksal, mit seinen Höhen und mit seinen Tiefen. Keinem - auch denen nicht, die sich gar nicht zu ihm hintrauen, weil sie sich zu klein, zu schwach, zu schuldig vorkommen. Ihnen wird er lehren, dass sie sich selbst und ihr Leben annehmen und lieben können, weil er sie liebt, wie sie sind.

Zeugen in der Welt

Keinem von uns ist Gott fern.“ Das Wort stammt aus der Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag von Athen, jenem Platz in der Mitte der Stadt, wo alle sich begegnen, Gläubige und Ungläubige, Fröhliche und Traurige, Skeptiker und Hoffnungserfüllte, um miteinander über ihr gemeinsames Leben zu diskutieren. Dort, mitten in der Großstadt, an dem Ort, wo die Welt am meisten Welt ist, verkündet Paulus: „Keinem von uns ist Gott fern. Denn wir leben, weben und sind in ihm. Wir sind von seiner Art.“ Nicht nur in der Kirche, in der christlichen Gemeinschaft, in Wort und Sakrament will Gott den Menschen nahe sein. Im Trubel der Welt, auf dem Marktplatz, wo es „nichts gibt, was es nicht gibt“ – das Beste und das Schlimmste –, im erfolgreichen und im verzweifelten, im gescheiterten Suchen nach weltlichem Glück, nach Frieden, Gerechtigkeit und Geborgenheit, will Gott den Menschen nahe sein. Nahe, wenn verfeindete und sich fremd gewordene Menschen und Völker sich nach Versöhnung sehnen. Nahe, wenn Menschen guten Willens durch Solidarität und Teilen versuchen, den Graben zwischen Armen und Reichen zu überwinden. Nahe, wenn Menschen sich einsetzen, um Gescheiterten und Schuldiggewordenen, Randsiedlern und Alleingelassenen Wege in eine neue Zukunft zu bahnen. Nahe, wenn orientierungslos gewordene Menschen nach der Wahrheit, und haltlos Dahintreibende nach festem Boden unter den Füssen suchen. Nahe, um ihnen alle Kraft und Hoffnung, Glauben und Ausdauer zu schenken. Doch dazu braucht Gott Zeugen, die wie Paulus sich mitten auf die unruhigen Plätze der Welt begeben, um es allen Menschen zu sagen: „Keinem ist Gott fern.“ Wenn Paulus hinzufügt: „Wir leben, weben und sind in ihm“, und „Wir sind von seiner Art“, zitiert er dabei zwei beliebte griechische Dichter. Auf dem großen Marktplatz der Welt kann er die in der Synagoge übliche Sprache nicht gebrauchen. Er kennt die Kultur seiner Zeit, auch die der heidnischen Athener, und spricht sie in der Sprache an, die sie verstehen können. In der Sprache der Welt, an dem Ort, wo die Welt zutiefst Welt ist, müssen alle Menschen es hören: Keinem von uns ist Gott fern. Die Jahreslosung für 1989 ist für alle Menschen, Christen und Heiden, eine Zusicherung. Für die Christen ist sie zudem ein Auftrag.

Fritz Westphal (1937-2025)

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