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Anlässlich des Besuchs von Papst Leo XIV. in Metz Ende Septemberein Rückblick auf einen weiteren päpstlichen Besuch in unserer Region. Das war Johannes Paul II. im Oktober 1988. Bericht von Pfarrer Fritz Westphal in „Le Messager évangélique”.

Der Besuch des Papstes Johannes Paul II. in Strasbourg, Metz, Nancy und Mulhouse war von vielen mit recht gemischten Gefühlen erwartet worden. Die Sicherheitsmaßnahmen waren derart streng, besonders in Strasbourg, dem Sitz der europäischen Institutionen, dass man nicht selten Bemerkungen zu hören bekam wie diese: „Es ist doch etwas paradox, dass der 'Stellvertreter Christi' 7 000 Polizisten zu seinem Schutz brauchte“. Nachträgliches Urteil des Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz, Kardinal Decourtray: „Die Sicherheitsmaßnahmen sind ein notwendiges Übel - aber vielleicht doch nicht in dem Masse!“ Das Resultat blieb nicht aus: die erwarteten jubelnden Volksmengen längs der Straßen der Stadt waren nur spärlich da! Andere hatten - ebenfalls im Voraus - die hohen Kosten des Papstbesuchs kritisiert. Auch dies empfanden viele als etwas paradox: 3 Millionen Francs (ca. 460 000 euros, Anm. d. Red.) für den Besuch eines hohen kirchlichen Amtsträgers, der nicht aufhört zu betonen, dass... die Kirche vornehmlich für die Armen da sei! Und dann wurde der Papstbesuch doch zu einem Ereignis. Wobei, freilich, das Wichtigste nicht immer im Spektakulärsten lag - wie zum Beispiel bei der doch etwas enttäuschenden Begegnung mit 40 000 Jugendlichen im Sportstadion der Meinau, oder der Schifffahrt auf dem Rhein, oder bei der Papstrede vor einer begeisterten Volksmenge in Nancy. In der Rede des Papstes vor dem Europarat war inhaltlich zwar auch wenig Neues zu bemerken. Interessant schien mir jedoch, dass die stets wiederkehrende Betonung der „gemeinsamen Werte Europas“, welche dessen Identität trotz vieler Unterschiede prägen, entschieden mit einer biblischen Sicht des Menschen und der Welt begründet wurde: „Die christliche Botschaft vermittelt eine so enge Beziehung des Menschen mit seinem Schöpfer, dass sie alle Aspekte des Lebens aufwertet... In den Familien, in den Städten leben und mühen sich die Völker und die Menschen nicht umsonst: das Christentum lehrt sie, dass die Geschichte keinen ewig wiederkehrenden gleichgültigen Zyklus bildet, sondern dass sie ihren Sinn in dem Bund findet, den Gott den Menschen anbietet und in dem er sie einlädt, sein Reich freiwillig anzunehmen“. Entsprechend wurden auch die Stellungnahmen zu den gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemen - Menschenrechte, Schutz der Familie, Bio-Ethik, Arbeitslosigkeit und Armut - auf eine biblische Sicht der Würde menschlichen Lebens als Geschenk Gottes gestützt. Nur, so meinte der Papst, wenn die europäischen Völker sich auf dieses biblische Erbe besinnen, werden sie in der Lage sein, alte Feindschaften zu überwinden und ihre Einheit wiederzufinden. „Man kann die Einigung Europas nicht nur auf wirtschaftliche Zusammenarbeit gründen. Es bedarf positiver Werte, einer Sicht der Würde und der Rechte der Menschen, die nur in der biblischen Offenbarung gefunden werden kann. Man kann eine europäische Zivilisation nicht nur auf das Euro-Coca- Cola gründen“ - kommentierte während einer Pressekonferenz Kardinal Lustiger. Mit Spannung wurde die Begegnung der Protestanten mit dem Papst in der Thomaskirche erwartet. Warum die lutherische und die reformierte Kirchen in Elsass und Lothringen überhaupt den Papst zu diesem gemeinsamen Gottesdienst eingeladen haben, wollten viele Skeptiker wissen. Weil der Protestantismus, in den durch die europäischen Institutionen vertretenen Ländern eine große Rolle spielt - meinten unsere Kirchenleitungen. Weil auch in Strasbourg, dessen zweitausendjährige Geschichte bei dieser Gelegenheit zur Sprache kommen wird, die Protestanten viel zum Leben und zum Ruf der Stadt beigetragen haben. Vor allem aber aus ökumenischer Überzeugung: Sich gemeinsam mit dem Papst unter das Wort Gottes zu stellen ist eine Kraft, die fähig ist, den ökumenischen Dialog vorwärtszutreiben.

„Unser Gott ist ein Gott der unmöglichen Dinge.“

Symbolische Gesten und gesetzte Zeichen vermögen gelegentlich mehr als viele Diskussionen zwischen Experten. Ein solches Zeichen wurde am 9. Oktober in der Thomaskirche gesetzt, und so wurde es auch von den etwa 900 Teilnehmern erlebt. Gegenseitige Höflichkeiten hat man sich erspart. Der Ton lag auf dem gemeinsamen Gebet - in Danksagung, Sündenbekenntnis, Bittruf und Fürbitte - und dem gemeinsamen Hören des Wortes Gottes. Dass letzteres auf evangelischer und katholischer Seite nicht auf die gleiche Weise gelesen und gehört wird, wurde freilich auch deutlich. Präsident Michel Hoeffel (Directoire de l’Église de la Confession d’Augsbourg d’Alsace et de Lorraine, Anm. d. Red.), in einer deutlichen Anspielung an die eucharistische Gastfreundschaft, wie sie durch einen mutigen Beschluss von Bischof Elchinger 1973 zumindest für Mischehen möglich gemacht wurde, stellte freiherzig die Frage: „Warum müssen Eheleute immer noch daran gehindert werden, gemeinsam die Verheißung Christi für ihr Leben zu empfangen, an dem Ort, an dem Er sich selber schenkt und mitteilt? Solange wir nicht gemeinsam an den Tisch des Herrn zu treten vermögen, werden wir im Namen der Freiheit, die Christus schenkt, solche Fragen stellen.“ Der Papst war nicht weniger aufrichtig in seiner Antwort: „Die katholische Kirche glaubt, dass die Feier der Eucharistie ein Glaubensbekenntnis bildet und eine vollkommene Übereinstimmung im Glauben die Voraussetzung für eine gemeinsame und wirklich authentische Feier der Eucharistie bildet“. Johannes Paul II. fügt jedoch hinzu: „Wenn wir aufrichtig versuchen, Gottes Willen zu erfüllen, wenn wir ihn unaufhörlich darum bitten, wird er uns erleuchten und eines Tages das vollbringen, was uns heute als unmöglich erscheint“. Im Fürbittengebet wurde es mehrere Male unterstrichen: Unser Gott ist ein Gott der unmöglichen Dinge. Unmöglich, unvorstellbar wäre noch vor wenigen Jahren ein gemeinsamer Gottesdienst mit dem römischen Papst gewesen. Jetzt war es bereits das dritte Mal - nach Rom und Salzburg - dass der Papst an einem evangelischen Gottesdienst teilnimmt. Bleibt zu hoffen, dass es dabei nicht bleibt. Der Papst hat ebenso wie die Vertreter evangelischer Kirchenleitungen einen ehrlichen ökumenischen Willen bekundet. Zweimal hat er betont: Der Heilige Geist muss in uns den Unglauben überwinden. Zu diesem Unglauben gehört auch die immer noch währende Spaltung der Kirchen. Komm, Heiliger Geist!

Fritz Westphal

Foto : Die Protestanten überreichten dem Papst eine lateinische Ausgabe der Bibel aus dem Jahr 1698. Der Papst schenkte ihnen ein Faksimile des Codex Vaticanus, einer der ältesten Handschriften des Neuen Testaments. © Albert Huber/Le Messager évangélique

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