
Wie wurd ’s neje Johr werre? Die Fröj stelle sich d’meischte vun uns, jetz wie e Johr ze End geht un e nejs ànfàngt. Dezüe e kleini G’schicht:
E Wànderer kommt àns Dor vun ere fremde Stàdt. Dert sitzt e àlter Dorhieter.
Bi ihm erkundigt sich de Fremd:
– „Wie sinn denn d’Lit in derre Stàdt?“
– „Wie sinn se denn dort g’sinn, wo dü herkommsch?“, fröjt de Dorhieter zeruck.
– „Àch“, sààt de Wànderer, „sie sinn grässlich un eijesichtig g’sinn, voller Missgunscht un Niid.“
– „Jo“, meint de àlt Mànn, „so ähnlich wurd’s do au sinn.“
Später kommt e zweiter Reisender. Er will ewefàlls wisse, wàs er vun de Bewohner vun de Stàdt erwàrte kànn.
De Dorhieter fröjt au ine:
– „Wie sinn se denn dort g’sinn, wo dü herkommsch?“
Er sààt:
– „Sie sinn frindlich g’sinn, einer het im àndere g’holfe, m’r het sich wohlg’fiehlt.“
– „Jo“, meint de àlt Mànn, „so ung’fähr werre se do au sinn.“
„Wie wurd’s neje Johr werre?“ De Dorhieter stellt au uns d’Gejefröj: „Wie isch fer dich ’s vergàngene Johr g’sinn?“ Àndersch gemeint: Mit wellere Brill lüejsch dü uf diss, wàs in dim Läwe g’schieht? Mit wellere Brill lüejsch dü uf dini Umgebung un uf d’Mensche um dich erum? So verstehn mer: Mer hàn nitt àlles in de Hànd, àwwer vieles hänkt vun unserem Blickwinkel àb.
Es isch de Versüech wert, mit so-n-ere Instellung entschiede, müetig un froh ins neje Johr ze gehn.
Daniel Steiner